Über das Zugfahren

Da waren wir nun, zusammen mit den anderen Touristen in ein viel zu kleines Zugabteil gesperrt. Stehen ging noch, aber schon sich auf den Boden zu setzen stellte sich als schwierig heraus. Eigentlich hatte ich ein Buch für die Fahrt ganz oben in meinen Rucksack gepackt, aber dieser lag nun 1 m weiter entfernt in einem Haufen Gepäck vergraben. Außerdem standen viel zu viele Leute zwischen uns und unseren Rucksäcken. Also mussten wir die 7 Stunden ohne unsere Sachen und ohne Wasser (!) auskommen. Irgendwie schafften es auch immer wieder Verkäufer an den Haltestellen einzusteigen, sich mit ihren Körben durch die Massen zu schieben und Obst und Gebäck anzubieten. Verhungern würden wir zumindest nicht.

Wir standen die ganze Zeit über in einem Durchgang zwischen 2, auch während der Fahrt geöffneten, Türen. In unserem kleinen Reich leisteten uns Spanier, Kroaten, Singapurianer und andere Deutsche Gesellschaft. Bald kamen wir ins Gespräch und tauschten die üblichen Floskeln aus: Wie heißt du? Woher kommst du? Als was arbeitest du? Usw.

Die quirlige Halima aus Singapur Und ihre Freundin Sheena hatten eine super Idee: Warum nicht die lange Zeit mit etwas Musik versüßen? Also wurde kurzerhand eine Bluetooth-Musikbox ausgepackt, auf Spotify Lieder heraus gesucht (Halima nahm auch Wünsche dankend an) und bald schmetterten wir zusammen viele Titel. 




Die Spanier ließen sich auch zu einem kleinen Tänzchen hinreißen und die Stimmung in unserem kleinen Reich war plötzlich super.


Und siehe da: Die ersten 3 Stunden vergingen wie im Flug! Halima und Sheena verabschiedeten sich freudig und stieg an ihrem Halt mit gut der Hälfte unseres internationalen Chors aus.

Für uns war die Reise aber noch nicht vorbei. Wir hatten nun noch die 2. Hälfte vor uns, die unsere Geduld und auch unsere Füße auf die Probe stellten. Dafür wurden wir auf diesem Teil der Strecke mit unglaublich schönen Ausblicken auf die bergige Landschaft, kleinen Flüssen, Wasserfällen und Teeplantagen belohnt. 



Zudem konnten wir Stehplätze an einer der offenen Türen ergattern, was es immer (abwechselnd) einem von uns erlaubte mit den Beinen aus dem Zug baumelnd zu sitzen. 



Es gab so viele schöne kleine Orte zu sehen, die aber immer schnell vorbeizogen. Irgendwann entschieden wir uns nicht mehr zu versuchen in genau den richtigen Momenten Fotos zu schießen. Es war bei dem Tempo kaum möglich und ließ sich besser mit eigenen Augen als durch das Kameradisplay genießen.

Nach 6 Stunden stehen, wurde die Letzte dann doch etwas zäh. An einem Halt stiegen Österreicher dazu, die mit stumpfen Kommentaren über die Franzosen und Chinesen einfach nur nervten. Zum Glück mussten wir die Kerle nicht allzu lang ertragen, denn ja, es geschah endlich: Wir waren da! Rucksäcke aus dem Gepäck-Berg ausgraben, nichts wie raus und ins nächste Restaurant um bei Cola und Fritten die Ankunft zu feiern!

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